Freitag, 1. Juni 2012

Wie Lügner sich verraten



Zwischen Lüge und Wahrheit

Mit einigen Tricks können Lügener entlarvt werden


Niemand wird gerne belogen. Aber wie weiß jemand,
ob der andere die Wahrheit sagt oder nicht? Lügner
gelten gemeinhin als intelligent. Allerdings gibt
es Unterschiede zwischen zwanghaften Lügnern,
krankhaften Lügnern, Gelegenheitslügnern und
professionellen Lügenern. Erstaunlich sind wahre
Geschichten über falsche Ärzte, die jahrelang
praktiziert haben oder über geniale Kunstfälscher,
die Meister im Kopieren von Kunstwerken berühmter
Maler sind. Bei den professionellen Lügnern msichen
sich verbale Unwahrheiten mit dem Betrug in Form
von Dokumentenfälschung. Dennoch gibt es Techniken,
die auf Lügen im Gespräch hinweisen. Der Körper
lügt nicht. Es gilt also, ganz genau hinzusehen.
Wenn sich ein Gesprächspartner fortlaufend an den
Mund oder die Nase fasst, kann das ein Indiz sein.
Lügner fühlen sich meistens in ihrer Haut nicht wohl.
Sie bewegen sich anders als sonst, wenn sie ehrlich
sind. Ein Mensch, der lügt, wird starrer in seinen
Bewegungen. Er nimmt weniger Raum ein. Aber entgegen
dem weit verbreiteten Mythos sehen unehrliche Menschen
einem sehr wohl in die Augen. Das tun sie, damit sie
nicht enttarnt werden. Sie halten den Blickkontakt
sehr lange und unterbrechen ihn auch nicht. Im Gegensatz
zum Redefluss. Der stockt oft. Das Erzähltempo ist
nicht mehr so gleichmäßig. Ferner legt ein Lügner entweder
gar keinen Wert auf Details oder aber ganz besonders
übertriebenen. Wirkungsvoll ist es, einen potentiellen
Lügner zum Beispiel mit einem überraschenden Kompliment
aus der Balance zu bringen. Lügner werden froh sein,
aus dem bisherigen Gespräch auszusteigen. Ehrliche Menschen
ärgert oder verwirrt ein solches Verhalten eher. Sie
möchten lieber zum bisherigen Thema zurückkommen. Aus
Verhören von Agenten des FBI oder der CIA ist bekannt,
dass Lügner nervös mit den Augen zwinkern oder die Augen
zusammenkneifen. Der Kiefer ist meist angespannt, die
Arme vor dem Körper verschränkt. Die Augen geben große
Hinweise über das Gesagte. Geht die Augenbewegung des
Befragten nach links oben, versucht er ein Bild im
Gehirn zu konstruieren. Blick er nach rechts oben, wird
tatsächlich Erlebtes abgerufen. Die Richtung ist deshalb
relevant, weil jeweils andere Hirnregionen angesprochen
werden. Experten sind sich darin einig, dass alle Menschen
lügen. Sei es aus Not oder Barmherzigkeit oder aus Höflichkeit.
Es gab ein Experiment mit einem Bayern, der über eine lange
Zeitspanne ausschließlich die Wahrheit sagte. Er machte sich
damit nicht nur Freunde. Ganz im Gegenteil. Zwischen der
Lüge, die höflich ist oder die einen vor weiteren indiskreten
Fragen schützt, gibt es natürlich auch den Betrug beim
Doping oder kriminelle Handlungen wie beim Mord,
wenn die Täter alles abstreiten. Hier ist mehr als nur die
Lüge im Spiel. Lüge ist somit nicht gleich Lüge. Wer dem
Nachbarn sagt, dass er auch schon einmal besser ausgesehen
hat, wird das beiderseitige Verhältnis nicht damit
verbessern. Wer jedoch bewusst lügt, um sich - finanzielle -
Vorteile zu erschaffen, der betrügt auch gleichzeitig.
Der Grat ist schmal. Und Lügen haben sprichwörtlich sehr
kurze Beine. Wer lügt, benötigt ein herausragendes Gedächtnis.
Und einmal aus dem Konzept gebracht, wird auch das nicht mehr
funktionieren.
(c) Corinna S. Heyn


Literatur:
Simon Winthrop,
So werden Sie Mentalist.
Der Star-Magier erklärt die geheimen
Methoden aus der Serie "The Mentalist".
Aus dem Amerikanischen von Marion Zerbst.
mvg Verlag 2012.
www.mvg-verlag.de