Montag, 23. April 2012

Wie man mit Machtmenschen umgeht



Im Fahrstuhl spricht man nicht

Der Schauspieler und Coach Jan Sentürk über die Geheimnisse
der Körpersprache

Bücher über Körpersprache gibt es viele. Jan Sentürk
bietet als Schauspieler und Experte in seinem Buch "Wie
ich sehe, was du fühlst" auch neue Aspekte über ein
unerschöpfliches Thema. Als Körpersprache-Coach hat er
Szenen aus dem Alltag auch bildhaft nachgestellt. Mit
ihm als Anschauungsobjekt. Sentürk räumt mit landläufigen
Meinungen auf. Zum Beispiel damit, dass verschränkte
Arme vor dem Körper grundsätzlich ablehnend sind. Oder
dass übereinander geschlagene Beine immer negativ zu
bewerten sind. Die Körpersprache entlarvt den Lügner.
Aber: eine einzelne Geste genügt für eine Beurteilung
nicht. Und nur an den Augen lässt sich keine Stimmung
ablesen. Im Gegensatz zu anderen Körpersprache-Büchern
erfährt der Leser, was er besser unterlassen sollte
und wie er sich gegen "Übergriffe" wehren kann. Der Autor
ist zugleich ein Benimm-Coach. In Fahrstühlen sollte
der Blick nicht direkt auf die Mitfahrer gerichtet sein.
Was aber, wenn ein Mann mit einer Frau flirten will oder
ein vielversprechender Geschäftskontakt einem gegenübersteht?
"Als wohlerzogener Fahrstuhlfahrer schweigt man", meint Jan
Sentürk. Damit meint er, wenn sich fremde Menschen in
einem Aufzug befinden. Besonderes Augenmerk aber legt
der Coach auf die Hände. Wer seine Hände im Gespräch einsetzt,
der wirke kompetenter. Überhaupt sagen Hände vor allem bei
der Begrüßung viel über einen Menschen aus. Ist der Druck
stark oder schwach? Wem die Hand schmerzhaft gedrückt wird,
sollte Einspruch erhoben werden. Machtmenschen behalten
gerne die Oberhand und drehen die entgegengestreckte Hand
manchmal nach unten. Ein "Schüttler" signalisiert hingegen
Herzlichkeit. Auch den typisch weiblichen und männlichen
Gesten hat Sentürk ein Kapitel gewidmet. "Eine Frau, die
friert, verschränkt ihre Arme vor der Brust. Ein frierender
Mann steckt eher seine Hände in die Hosentaschen und legt
seine Arme eng an den Körper", so der Autor. Obwohl der
Körper nicht lügt, gibt der Coach Anregungen, wie jeder
positiv auf andere wirken kann. Es geht nicht darum, sich
und andere zu belügen, sondern beim Vortrag zum Beispiel
nicht die Arme zu verschränken, andere bei der Begrüßung
anzulächeln und den Partner zu spiegeln. Beim Spiegeln
ist nicht Nachäffen gemeint und negative Körperhaltungen
sollten nicht übernommen werden. Keine leichte Aufgabe,
zumal sich die meisten Menschen auf das Gespräch
konzentrieren und vielleicht auch nervös sind - wie im
Vorstellungsgespräch. Interessant ist auch der Hinweis
auf die USA, wo in den 80er Jahren Verkäufern Stühle
ohne Lehne hingestellt wurden, um den Preis zu drücken.
Jan Sentürks Fazit: um einen anderen Stuhl bitten. Im
Anhang gibt es auch noch Profitipps gegen Distanzverletzungen.
(c) Corinna S. Heyn


Jan Sentürk,
Wie ich sehe, was du fühlst.
Der Körpersprache-Coach verrät seine
Geheimnisse.
Piper Verlag 2012.
Preis: 8,99 Euro
www.piper.de
www.jansentuerk.de


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